1. Einleitung (Kapitel 1,1-17)

Der Brief beginnt mit einer Einleitung, die verhältnismässig kompliziert ist und viele Neben­sätze enthält. Wir befassen uns in der ersten Lektion mit diesem einleitenden Abschnitt.

1 Paulus, Knecht Christi Jesu, berufener Apostel, abgesondert zum Evangelium Gottes 2 (das er durch seine Propheten in heiligen Schriften zuvor verheissen hat)

Paulus nennt sich Knecht Jesu Christi. Diese Bezeichnung drückt seine Bereitschaft aus, sich seinem Herrn unterzuordnen. Das griechische Wort, das gewöhnlich mit «Knecht» übersetzt wird, hat auch die Bedeutung von «Sklave». Das bedeutet nicht nur, dass man in einem Dienstverhältnis zu seinem Herrn steht, sondern dass man auch sein Eigentum ist. Als Sklaven des Herrn können wir nicht nach Belieben über uns selbst verfügen, denn wir sind Ihm verpflichtet.

Paulus gibt sich auch den Titel eines berufenen Apostels. Damit weist er auf die Autorität hin, die er von Jesus Christus empfangen hat, um das Evangelium wirksam zu verkündigen und den Gläubigen Anweisungen zu geben.

Der grosse «Heiden-Apostel» ist sich bewusst, dass Gott ihm apostolische Autorität verliehen hat, aber er ist sich ebenso sehr bewusst, dass er sich selbst seinem Herrn unterordnen muss. Genauso haben Eltern Autorität über ihre Kinder, aber müssen sich selbst dem Herrn unterordnen.

Paulus ist abgesondert zum Evangelium Gottes. Das bedeutet, dass Gott ihn für die Verkündigung des Evangeliums in seinen Dienst genommen hat. In Apostelgeschichte 9,15 wird er ein auserwähltes Gefäss genannt. Damit wird der gleiche Gedanke ausgedrückt: Gott hat Paulus für sein Apostelamt auserwählt.

3 über seinen Sohn (der aus dem Geschlecht Davids gekommen ist dem Fleisch nach

Das Evangelium Gottes hat seinen Sohn Jesus Christus zum Gegenstand. Dieser ist sowohl Gott als auch wahrhaftiger Mensch. Wir lesen in Johannes 1,1: «Im Anfang war das Wort, und das Wort (das ist Jesus Christus) war bei Gott und das Wort war Gott». In Johannes 1,14 steht dann: «Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns …» So gibt es zahlreiche Schriftstellen, die bestätigen, Jesus Gott und Mensch ist. Wir denken zum Beispiel an das zweite Kapitel des Philipperbriefs. Die Gottheit des Herrn wird dort in Vers 6, seine Menschwerdung in den Versen 7 und 8 beschrieben. Hier in Römer 1 finden wir die Tatsache, dass Jesus Christus Gott und Mensch in einer Person ist, ebenfalls beieinander. Dass Jesus Christus Mensch ist, sagt Paulus in Vers 3: «der aus dem Geschlecht Davids gekommen ist dem Fleisch nach.»

4 und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft dem Geist der Heiligkeit nach durch Toten-Auferstehung), Jesus Christus, unseren Herrn

Dass Er Gottes Sohn ist, lesen wir in Vers 4: «erwiesen ist als Sohn Gottes … durch Toten-Auferstehung.»

5 (durch den wir Gnade und Apostelamt empfangen haben zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen für seinen Namen,

Paulus hat Gnade und Apostelamt empfangen. Die Gnade hat Paulus errettet, d.h. von einem verlorenen Sünder zu einem Kind Gottes gemacht. Dazu hat er auch das Amt eines Apostels bekommen. «Apostel» bedeutet «Gesandter». Gott hat ihn zu allen Nationen gesandt. Das Ziel seines Dienstes finden wir am Schluss von Vers 5: die Hörer der Botschaft sollten sie glauben und ihr gehorchen. Damit wird klar: glauben bedeutet gleichzeitig, dem Wort Gottes gehorchen. In Johannes 3,36 lesen wir: «Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben», und dann heisst es weiter: «wer aber dem Sohn nicht glaubt …» Dieser Vers wir auch übersetzt: «wer aber dem Sohn nicht gehorcht» oder «nicht gehorsam ist.»

6 unter denen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi) – 7 allen Geliebten Gottes, den berufenen Heiligen, die in Rom sind:

In Vers 6 werden Gläubige angesprochen als Berufene Jesu Christi und in Vers 7 als Geliebte Gottes und berufene Heilige. Was für eine Gnade, dass Gott uns durch das Evangelium berufen und für sich «abgesondert» hat! (vgl. 2. Thes 2,13-14). Heilig bedeutet: für Gott abgesondert, für Gott reserviert. Das schliesst die Verantwortung ein, ein Leben «in heiligem Wandel und Gottseligkeit zu führen» (2. Pet 3,11).

Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Der Apostel wünscht den Gläubigen Gnade und Friede. Gnade empfangen wir auf zweierlei Weise:

  1. als Sünder empfangen wir Vergebung der Sünden.
  2. als Gläubige brauchen wir Gnade, um die Schwierigkeiten und die Sorgen des Alltags tragen zu können.

Der Begriff Friede kennt ebenfalls zwei Aspekte:

  1. den Frieden mit Gott (Römer 5,1), den man empfängt, wenn man zum Glauben an Jesus Christus als seinen Erlöser kommt.
  2. den Frieden Gottes, das ist die Ruhe und der Friede in unseren Herzen, egal wie die Umstände unseres Lebens auch sein mögen.

8 Zuerst einmal danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle, weil euer Glaube verkündigt wird in der ganzen Welt. 9 Denn Gott ist mein Zeuge, dem ich diene in meinem Geist in dem Evangelium seines Sohnes, wie unablässig ich euch erwähne,

Von den Gläubigen in Rom ging ein guter Ruf in die ganze damals bekannte Welt aus. Ein ähnlich gutes Zeugnis konnte Paulus den gläubigen Thessalonichern ausstellen. Er sagt in 1. Thessalonicher 1,7, dass sie allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden sind.

10 allezeit flehend in meinen Gebeten, ob ich vielleicht endlich einmal durch den Willen Gottes so glücklich sein möchte, zu euch zu kommen.

Paulus wünschte, die Gläubigen in Rom zu besuchen. Das geht auch aus Römer 15,22-24 und Apostelgeschichte 19,21 hervor. Allerdings möchte er nicht seinen Willen durchsetzen, sondern sich dem Willen Gottes unterordnen.

11 Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, damit ich euch etwas geistliche Gnadengabe mitteile, um euch zu befestigen, 12 das ist aber, um mit euch getröstet zu werden in eurer Mitte, ein jeder durch den Glauben, der in dem anderen ist, sowohl euren als meinen. 13 Ich will aber nicht, dass euch unbekannt sei, Brüder, dass ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen (und bis jetzt verhindert worden bin), um auch unter euch etwas Frucht zu haben, wie auch unter den übrigen Nationen.

Der Apostel möchte den Gläubigen mit der Gnadengabe dienen, die er von Gott erhalten hat, um sie im Glauben zu befestigen. Er ist sich bewusst, dass er dadurch auch selbst getröstet wird, nämlich «durch den Glauben, der in dem anderen ist» (vgl. Römer 15,32).

14 Sowohl Griechen als Barbaren, sowohl Weisen als Unverständigen bin ich ein Schuldner. 15 So bin ich denn, soviel an mir ist, bereitwillig, auch euch, die ihr in Rom seid, das Evangelium zu verkündigen.

Der Apostel war sich der Verantwortung voll bewusst, die seine Berufung ihm auferlegte. Sowohl Griechen als Barbaren, sowohl Weisen als Unverständigen ist er ein Schuldner. In 1. Korinther 9,16 betont er ebenfalls ganz deutlich: «… denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!»

16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. 17 Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: «Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.»

Wenn der Vertreter einer Firma ein mangelhaftes Produkt anpreist, hat er allen Grund, sich zu schämen. Paulus braucht sich aber des Evangeliums nicht zu schämen, denn es ist Gottes Kraft, zum Heil jedem Glaubenden, auch wenn sein Inhalt, die Botschaft des Kreuzes, für viele Menschen eine Torheit ist (1. Kor 1,23).

Das Evangelium musste zuerst den Juden und danach den Griechen gebracht werden. Die Juden waren zwar der Meinung, dass «Griechen» (oder Heiden) nur in Kontakt mit Gott kommen konnten, wenn sie sich beschneiden liessen und so Juden wurden. Doch das war ein verhängnisvoller Irrtum. Beide müssen dasselbe Evangelium hören, das zu verkündigen der Apostel Paulus von Gott beauftragt war. Beide Gruppen können nur durch Glauben gerechtfertigt werden. Das wurde bereits im Alten Testament mit den Worten angekündigt: «Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben» (Habakuk 2,4).

Beantworten Sie nun die nachstehenden Fragen.

1. Was bedeutet es, ein Knecht Jesu Christi zu sein?

2. Von wem hat Paulus seine apostolische Autorität empfangen?

3. Bedeutet das, dass er in Unabhängigkeit seinen Weg gehen konnte?

4. Wir haben festgestellt, dass Jesus Christus sowohl Gott als auch Mensch zugleich ist. Aus welchen Worten in Römer 1 geht das hervor?

  1. Die Tatsache, dass Er Mensch ist?
  2. Die Tatsache, dass Er Gott ist?

5. Was bedeutet das Wort «Apostel»?

6. Womit muss der Glaube an Jesus Christus verbunden sein?

7. Paulus wünscht den Gläubigen in Rom Gnade von Gott. Welche zwei Aspekte hat der Begriff Gnade?

  1. Was empfängt der Sünder aus Gnade?
  2. Wie wirkt sich die Gnade im Leben eines Glaubenden aus?

8. Er wünscht ihnen auch Frieden. Auch den Ausdruck «Friede» kann man von zwei Gesichtspunkten aus betrachten.

  1. Was ist der Friede mit Gott?
  2. Was ist der Friede Gottes?

9. Paulus war sich bewusst, dass ein schlechtes Verhalten der Gläubigen zur Unehre Gottes ist. Deshalb dankte er Gott dafür, dass die Gläubigen in Rom einen guten Ruf hatten, denn ihr Glaube wurde in der ganzen Welt verkündigt. Was konnte Paulus von den Thessalonichern sagen? (1. Thes 1,7)

10. Paulus hätte die Gläubigen in Rom gerne besucht. Er wollte aber nicht seinen Willen durchsetzen, sondern _________________________

11. Der Besuch, den Paulus in Rom plante, hätte die Gläubigen dort gefreut. Aber auch für Paulus wäre ein Besuch wertvoll gewesen. Warum?

12. Paulus war bereit, allen Menschen das Evangelium zu verkündigen. Welche unterschiedlichen soziale Schichten erwähnt er in Vers 14?

13. Warum schämte sich Paulus nicht, das Evangelium zu verkünden?

14. Paulus war der Apostel der Nationen (Heiden). Aber er ging mit der guten Botschaft nicht zuerst zu den Heiden, sondern _________________________

15. In Vers 17 erwähnt Paulus zum ersten Mal, dass Sünder begnadigt werden können. Wie ist das möglich?

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